#76 Tage bis zum NHL Saisonauftakt: P.K. Subban

Man stelle sich vor, eine Familie aus Jamaika, wandert nach Kanada aus, ihre Söhne wachsen in Toronto auf, lernen Eishockey-spielen und werden nach und nach in der NHL aktiv sein. Diese Familie heißt Subban, ihre Söhne heißen Malcolm, Jordan und P.K..

P.K., der älteste der drei, geboren 1989, spielt seit seinem dritten Lebensjahr Eishockey. Obwohl er in Toronto aufwächst wird er Fan der Montreal Canadiens. Während seiner Kindheit spielt er an der Seite von Steven Stamkos und John Tavares, Freundschaften, die bis heute bestehen.

Subban und Stamkos bei den North York Canadiens

Mit 16 kommt Subban zu den Belleville Bulls, dort macht er als solider offensiver Verteidiger auf sich aufmerksam. Er produziert jedoch nie übermäßig viele Punkte. Somit wird er 2007 auch erst in der zweiten Runde von den Montreal Canadiens gedraftet. Zu jung um in der AHL zu spielen spielt Subban noch ein weiteres Jahr in der Junioren-Liga. Im Jahr nach seinem Draft explodiert Subbans Punkteproduktion, er sammelt 76 Punkte in 56 Spielen.

P.K. muss sich seine Sporen verdienen, einen Großteil der Saison 2009/10 spielt er für die Hamilton Bulldogs, dem Farmteam der Canadiens in der AHL, der zweithöchsten Nordamerikanischen Profiliga. Erst gegen Ende der Saison kommt er zu 2 Kurzeinsätzen auf der NHL Bühne, er kann direkt überzeugen, für die anstehenden Playoffs behalten ihn die Canadiens im NHL Kader. In der zweiten Runde, in Spiel eins gegen Pittsburgh erzielt Subban sein ersten NHL Tor.

Seit der Saison 2010/11 ist Subban nun ununterbrochen an der blauen Linie der Canadiens zu finden. In bisher 366 Saisonspielen kommt er auf 57 Tore und 170 Assists. 2013 wird er zum besten Verteidiger der Saison gewählt, 2014 holt er mit Team Kanada olympisches Gold in Sochi.

Mit der Scheibe unterscheidet Subban nicht viel von einem Stürmer, zusätzlich hat er eine großartige Lauftechnik. Es ist schnell und wendig – vorwärts, wie rückwärts. Er gehört zu den anschaulichsten Spielern der Liga, er versteht es, immer etwas Entertainment in seinem Spiel unterzubringen. Kaum ein anderer Spieler hat dabei eine so geringe Fehlerquote wie Subban und dennoch kämpft er seine gesamte Karriere mit teilweise unverhältnismäßiger Kritik. Deshalb unverhältnismäßig, weil sie sich oft an unwichtigen Details zu lange aufhält. Man kritisiert seinen Kleidungsstil vor dem Spiel, seine Torjubel, seine unkonventionelle Scheibenführung usw. usf..

Seine Attitüde wird oft in Frage gestellt, eine Narrative, die vor den olympischen Spielen ihren zwischenzeitlichen Höhepunkt findet. Es wurde darüber diskutiert, ob er überhaupt nominiert werden dürfte, da man ihn als Unruheherd sah.

Im Januar 2014 erschien auf Bleacher Report einen Artikel mit dem Titel: The Race to criticize, er befasst sich mit der Frage, warum ausgerechnet Subban immer wieder für Nonsens Kritik einstecken muss. Die Antwort: unterschwelliger Rassismus. Eishockey ist in Nordamerika immer noch eine ziemlich weiße und traditionelle Sportart. Bereits 2010 musste sich Darren Pang von TSN öffentlich für seinen Versprecher: „He should play the white way“ entschuldigen. Während der Saison 2011-12 wurde Krys Barch vom Eis gestellt, nachdem er auf dem Weg zu Strafbank in Subbans Richtung „Did you slipped on a banana peel?“ (Bist du auf einer Bananenschale ausgerutscht?) rief.

Subban? Lässt das kalt, zumindest in der Öffentlichkeit, lässt er es sich nicht anmerken, viel mehr lässt er seine Kritiker Jahr, um Jahr durch seine Spielweise verstummen. Sie werden ohnehin nur laut, wenn die Canadiens nicht gut spielen. Als Führungsspieler schreitet er auf dem und neben dem Eis voran, in Montreal weiß man, dass man das Team um ihn, Carey Price und Max Pacioretty aufbauen muss, um die reelle Chance auf den Stanley Cup zu haben. Zumindest bis zur abgelaufenen Saison.

Price verletzte sich nachdem die Habs einen wahnsinnig guten Saisonstart hatten. Die Habs rutschten ab, verpassten die Playoffs – Mittelpunkt der Kritik erneut P.K.Subban. Schon bald kommen erste Tradegerüchte auf, die jedoch kaum realistisch erscheinen, so ist Subban doch vor allem in der Stadt Montreal sehr beliebt.

Seine Liebe zur Stadt äußert er in einer Spende von 10 Mio. US Dollar an das Kinderkrankenhaus in Montreal. Nicht um sich damit in den Vordergrund zu rücken, sondern einfach um zu helfen. „Jeder sollte anderen Menschen helfen wollen“, sagte er kürzlich dazu. Wäre es nach ihm gegangen, wäre die Spende still und heimlich von statten gegangen. So wie seine wöchentlichen Besuche im Krankenhaus, die er ohne jegliche Öffentlichkeit tätigte. Er wollte und will den Kindern ein Lächeln auf das Gesicht zaubern, ihnen einen Ausbruch aus dem Krankenhaus-Alltag ermöglichen.

P.K. arbeitet an seiner Marke, auf und neben dem Eis. Das ist nichts wofür man ihn kritisieren sollte, ist die Eishockey-Szene doch von vielen scheinbar langweiligen Spielern geprägt, die in Interviews immer dasselbe sagen und ihre Persönlichkeit kaum nach Außen tragen. Subban ist meist gut drauf, auch nach Niederlagen lässt er sich die Enttäuschung kaum anmerken. Auch das wird ihm in der vergangenen Saison vorgeworfen. Er sei nicht professionell genug.

Wenige Tage vor dem 01. Juli 2016 wird P.K. Subban zu den Nashville Predators im Tausch für Shea Weber getradet. Er wollte den Stanley Cup unbedingt nach Montreal bringen, sein Trikot neben den Legenden der Habs unter dem Hallendach sehen. Zum letzten Mal lief er am 10. März für die Canadiens auf. Das Eis verließ er, nach einer Kollision mit Teamkollege Emelin, auf einer Trage. Kein Abschied, wie ihn sich P.K. gewünscht hätte.

Tom Kanzock

Tom Kanzock ist Eishockey-Nerd durch und durch. Im März 2015 hat er schlittschuhtor.de ins Leben gerufen, um eine Alternative zur deutschen Eishockeyberichterstattung zu schaffen.