Die haben doch nur Glück!

Lasst uns über Glück reden. Per Definition ein besonders günstiger Zufall oder erfreuliche Fügung des Schicksals. Begriffe wie Zufall oder Schicksal sind dabei jedoch sehr wage formuliert und wirken fast schon mystisch. Wirklich greifbar sind sie selten. Faktisch belegen lässt sich Glück ohnehin nur schwer. Wahrscheinlichkeiten lassen sich errechnen. Glücksspiel basiert darauf, dass Spieler auf Erfolgsquoten setzen oder mathematische Grundlagen nutzen, um ihre Erfolgschancen zu erhöhen (Amazon Ref-Link). Doch wenn es in die Betrachtung geht, wie sehr der Erfolg einer Mannschaft vom Glück abhängig ist, wird es schwer. Oft hören wir Spieler nach einem Match über fehlendes Scheiben-Glück sprechen. In den Fankurven der Republik hören wir den Spruch „Die haben doch nur Glück!“ geschätzt fünf bis zehn Mal pro Spiel (bislang liegen keine repräsentativen Umfragen vor). Wie schön wäre es, wenn es eine Zahl geben würde, die als Kennzahl für das Glück einer Mannschaft herhalten könnte?

PDO

Seit einigen Jahren gibt es in Nordamerika ein Umdenken in Bezug auf die statistische Betrachtung der großen vier Sportarten (Baseball, Baskeball, Football und Eishockey). Angefangen hat es mit Billy Beane, der aufgrund unkonventioneller Auswertung von Statistik, aus den Oakland Athletics eines der besten Teams der Major League Baseball machte. Die Geschichte schaffte es sogar nach Hollywood. (Moneyball – Ref-Link) Auch im Eishockey gab es ein Umdenken. Die Bewegung hatte ihren Ursprung in der Blogger-Szene. Statistiken wie Corsi, Fenwick und PDO wurden geboren und bieten einen tieferen Einblick in die individuelle und Team-Leistung, als es Plus/Minus, Tore und Vorlagen könnten. Auf Corsi etc. gehen wir zu einem späteren Zeitpunkt ein, heute befassen wir uns mit PDO. Und damit sind wir wieder beim Ursprungs-Thema – „Glück„.
PDO ist die Summe aus der durchschnittlichen Schussquote (SH%) und der durchschnittlichen Fangquote (SV%) eines Teams. Wie oft ein Spieler in einer Saison das Tor trifft und wie viele Saves ein Torhüter über das Jahr zeigt, ist zu einem großen Teil vom Glück der Beteiligten abhängig (Keine Sorge, wir gehen gleich ins Detail). In der Theorie tendiert der PDO-Wert über eine Saison betrachtet gegen 100. Teams mit einem Wert über 102 stehen in der Regel besser da, als sie es sollten. Sie profitieren von einer unverhältnismäßig hohen Schussquote und/oder Fangquote – sie haben mehr Glück als andere Mannschaften. Ein Wert unter 98 steht für das andere Extrem – diese Mannschaften treffen das Tor weniger und/oder haben schwache Goalies – sie haben weniger Glück als die Konkurrenz.

Glück und Unglück in der Deutschen Eishockey Liga

Die Tabelle mit ID 2 existiert nicht.
Als einziges Team über dem Wert von 102 befinden sich derzeit die Kölner Haie (104,9%). Mit nahezu drei Prozent über der 102er-Grenze sind die Kölner das mit Abstand glücklichste Team der Deutschen Eishockey Liga. Dabei profitieren sie von der besten Torschuss-Quote der DEL (10,7%), sowie einem Gustaf Wesslau, der mit 95 Prozent gehaltener Schüsse, bislang eine Grandiose Saison spielt. Der PDO-Wert der Grizzlys Wolfsburg ist mit 101,1 Prozent leicht erhöht. Dies liegt vor allem Sebastian Furchner. Die Erfolgsquote des Stürmers liegt bei 29,8 Prozent. Der Schnitt liegt bei Feldspielern in einer Saison bei 8-10 Prozent. Der aktuelle DEL-Schnitt ist 8,3%. Der Wert von Furchner wird also im Laufe der Saison wahrscheinlich sinken.
Auch der EHC Red Bull München weist bislang einen PDO-Wert von 101,1 Prozent auf. Beim Meister und aktuellen Tabellenführer der DEL gibt es kaum individuelle Ausreißer, einzig Danny Aus den Birken mit einer Fangquote von 95,1 Prozent in neun Spielen sticht etwas hervor. Mit Werten um 100% stehen Ingolstadt, Krefeld, Berlin, Nürnberg, Düsseldorf und Bremerhaven dort, wo sie laut PDO-Theorie auch hingehören.

Torschuss-Verhältnis als Indikator

Das Verhältnis aus eigenen und gegnerischen Torschüssen gilt im Eishockey als Indikator für Puckbesitz. Die Formel ist recht einfach, wer öfter auf das Tor schießt als sein Gegner, hat öfter die Scheibe – also mehr Puckbesitz. Eine Tabelle zum Torschuss-Verhältnis in der DEL findet ihr hier. Wie ihr in der Tabelle sehen könnt, haben die Fischtown Pinguins das schlechteste Torschuss-Verhältnis der Liga. Bislang konnte der Liga-Neuling dennoch überzeugen. Auch dank gutem Goaltending und einer effizienten Offensive befinden sich die Pinguins mitten im Kampf um die Pre-Playoffs. Die Adler Mannheim hingegen haben das beste Torschuss-Verhältnis der DEL. Fast 57 Prozent Puckbesitz – über 120 Schüsse mehr als ihre Gegner – konnten die Adler in den bisherigen 16 Spielen verbuchen.
Mannheim ist ein schlafender Riese. Der PDO-Wert der Adler (98%) ist der viert-schwächste Wert der Liga. Sicher ist das zum einen auf die vielen verletzten Leistungsträger zurückzuführen, aber auch Dennis Endras liegt mit seiner SV% von 90,5 Prozent noch unter seinem Karriere-Schnitt (91,2%). Auch Mannheims Backup Youri Ziffzer konnte in seinen zwei Einsätzen bislang nicht überzeugen (81,6 SV%). Die Werte werden sich über den Verlauf der Saison stabilisieren und dann wird mit Mannheim zu rechnen sein. Als Vergleich – München hat ein Torschuss-Verhältnis von 56,2 Prozent.
DEL-Schlusslicht Straubing kontrolliert zwar auch über 50% der Schüsse, liegt allerdings jedoch in der PDO-Tabelle abgeschlagen auf dem letzten Platz. Die Tigers haben die schlechteste Schussquote der gesamten Liga mit nur 6,7 Prozent. Dabei profitieren die Bayern sogar noch von Mike Heddens Erfolgsquote. Der Kanadier, der bislang sechsmal traf, hat eine Erfolgsquote von 31,6 Prozent. Hinzu kommen zwei unterirdische Torhüter. Klingt hart, ist aber für das schwächste Duo der bisherigen Saison durchaus gerechtfertigt. Matthew Climie (88,3 SV%) und Dimitri Pätzold (84,8 SV%) sind nicht der Rückhalt, den die schwächelnden Tigers gebrauchen könnten. Vor allem wenn man bedenkt, dass Straubing weniger Schüsse auf das eigene Tor zulässt (421) als neun andere Teams der Liga.

Wie viel diese Statistik wert ist, lässt sich natürlich erst am Ende der Saison beurteilen. Währenddessen dient sie allerdings als guter Gesprächsstoff. Wir werden die PDO-Tabelle und die Übersicht zum Torschuss-Verhältnis über den Rest der Saison aktualisieren und auch in Zukunft noch mehr auf tiefer-greifende Statistiken eingehen. Getreu unserem Motto „Mehr als +/-„.

Tom Kanzock

Tom Kanzock ist Eishockey-Nerd durch und durch. Im März 2015 hat er schlittschuhtor.de ins Leben gerufen, um eine Alternative zur deutschen Eishockeyberichterstattung zu schaffen.