Nick Shore – Corsi King

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit den sogenannten Advanced Stats. Statistiken die über die normalen Werte, wie Punkte, Schüsse oder +/- (*würg) hinaus gehen. Die Statistiken laufen unter den Namen Corsi, Fenwick PDO usw. In der nordamerikanischen Bloggerszene entwickelte sich in den letzten Jahren ein elitärer Kreis aus Bloggern, die immer tiefer in die Thematik eintauchten. Vor allem die Seite extraskater.com (nicht mehr erreichbar) wurde zum Mekka aller, die mit den neuen Statistiken arbeiten wollten. Nach und nach wurde das Thema auch für die NHL interessant. Nachdem einige Teams in den Junioren Ligen bereits erfolgreich mit den neuen Daten arbeiten konnten, wurden immer mehr Blogger von Teams aus der NHL angestellt. Unter ihnen auch der Betreiber von extraskater Darryl Metcalf. Er wurde von den Toronto Maple Leafs angeheuert, seine Seite konnte er nicht mehr betreiben. Nach einer kurzen Dürreperiode an der Advanced-Statistic-Front schossen mehrere Portale aus dem Boden um die Statistik-Junkies zu versorgen. In Deutschland ist das Gebiet noch weitgehend unbeachtet. Daniel Weinberger betreibt hier mit seinem Blog 5plusspieldauer Pionierarbeit. Für meine Arbeit nutze ich war-on-ice.com und puckalytics.com.

Nach dieser unglaublich langen Einleitung zurück zum eigentlichen Thema. Mir hat es besonders die Statistik Corsi angetan. Corsi bemisst den Puckbesitz einer Mannschaft und den Einfluss eines einzelnen Spielers darauf. Einfach betrachtet werden jegliche Art von Schüssen auf das gegnerische Tor gemessen. Auch geblockte Schüsse, Schüsse an den Pfosten/Latte, oder Schüsse die das Tor verfehlen werden gezählt. Jeder Spieler auf dem Eis von Mannschaft X erhält ein +Plus wenn sein Team einen Schussversuch verzeichnet, ein –Minus wenn der Gegner schießt. Daraus ergibt sich ein Verhältnis, welche Rückschlüsse über den Puckbesitz einer Mannschaft widerspiegelt. Dieses Verhältnis heißt CorsiFor% und berechnet sich wie folgt:
Schussversuche für das eigene Team / (Schussversuche für das eigene Team + Schussversuche des Gegners).
Die Logik – Wer prozentual öfter auf das Tor des Gegners schießt, hat mehr Scheibenbesitz.

Nick Shore von den LA Kings hat derzeit den besten CF%-Wert (64,56 %) der gesamten Liga (min. 200 Minuten Eiszeit). Das heißt mit anderen Worten, dass fast zwei Drittel aller Schussversuche auf das gegnerische Tor gehen, wenn Nick Shore auf dem Eis steht. Das ist in sofern beachtlich, da Shore nur in der dritten Reihe der LA Kings zum Einsatz kommt, noch hinter Anze Kopitar und Jeff Carter. Die meiste Zeit stand er dieses Jahr mit Trevor Lewis, Tanner Pearson oder Dustin Brown auf dem Eis. Gute Spieler, ohne Frage, aber bei weitem nicht das Beste was LA zu bieten hat.
Das kuriose ist jedoch, Shore hat nach 24 Spielen erst zwei Tore und eine Vorlage. Dustin Brown und Trevor Lewis haben zusammen erst elf Punkte. Mit anderen Worten, die Reihe kontrolliert den Puck über weite Strecken wenn sie auf dem Eis stehen, für Zählbares sorgen sie jedoch nicht.
Dazu passt, dass sich alle drei im unteren Viertel aller NHL Spieler in der Kategorie PDO bewegen. PDO misst die Summe aus Schussgenauigkeit und Fangquote wenn ein Spieler auf dem Eis ist. Die Theorie ist, das der Wert über eine gesamte Saison gegen 100 tendiert und das Glück einer Mannschaft/eines Spielers repräsentiert. Spieler mit einem PDO-Wert über 102 sind vermutlich nicht so gut, wie sie scheinen. Leon Draisaitl bspw. hat derzeit einen PDO-Wert von 103. So sehr uns sein Lauf fasziniert, bislang hat er eine unverhältnismäßig hohe Schussgenauigkeit (25,8 %), die über eine Saison nicht aufrecht zuhalten ist.
Kommen wir zurück zu Shore, er hat einen der schwächsten PDO-Werte (91, 46) der Liga. Es ist deutlich zu erkennen, dass sein Wert deutlich darunter leidet, dass weder Lewis, noch Brown großartige Torschützen sind. Man kann auch sagen, dass der Reihe das Glück bisher nicht hold ist. Langfristig wird dieser Wert allerdings nach oben gehen. Vor allem, wenn die Reihe weiterhin diese Puckbesitzwerte vorweisen kann.

Tom Kanzock

Tom Kanzock ist Eishockey-Nerd durch und durch. Im März 2015 hat er schlittschuhtor.de ins Leben gerufen, um eine Alternative zur deutschen Eishockeyberichterstattung zu schaffen.