Wie ein 9-Jähriger den Philadelphia Flyers ihren Namen gab

Die Philadelphia Flyers feiern in dieser Saison ihr 50-jähriges Bestehen in der NHL. Die Franchise aus Pennsylvania gewann Mitte der 1970er Jahre zwei Stanley Cups und prägte eine ganze Ära durch die Spielweise der „Broad Street Bullies“. Doch nach ihrer Gründung im Juni 1967 musste sich das neue Team aus Philadelphia zunächst einen Namen geben. Wie schwierig diese Findungsphase sein kann sehen wir aktuell am Beispiel der neuen NHL-Franchise in Las Vegas. Eigentümer Bill Foley soll die Suche nun auf drei Namen eingegrenzt haben und bis Mitte November eine Entscheidung verkünden wollen.

Ein frischer Name muss her

Doch zurück nach Philadelphia: Am 12. Juli 1966 verkündete einer der Eigentümer des neuen Teams in Philadelphia, Bill Putnam, dass es einen Wettbewerb geben würde, um einen geeigneten Namen für das Team zu finden. Natürlich gab es bereits Ideen, so waren zwischenzeitlich die Namen „Quakers“ und „Ramblers“ im Rennen.
Besonders der Name „Quackers“ kam für Teambesitzer Ed Snider, der im April diesen Jahres im Alter von 83 Jahren verstarb, nicht in Frage. Denn in der Saison 1930/31 nahm eine Mannschaft unter dem Namen „Philadelphia Quackers“ am Spielbetrieb der NHL teil und teilt sich mit nur fünf Siegen den Negativ-Rekord für die wenigsten Siege, die je ein NHL-Team in einer Saison erringen konnte mit den Quebec Bulldogs (1919/20). Es sollte ein frischer Name her, schließlich sollte Team gleich von Beginn an viele Zuschauer in das neu-gebaute Stadion (Spectrum) locken.
Insgesamt wurden 242 Boxen in einer Supermarkt-Kette in Philadelphia verteilt. Tausende Menschen warfen einen Stimmzettel mit ihrem Wunschnamen in eine der Boxen. So auch Alec Stockard. Der damals 9-Jährige war im Juli 1966 mit seiner Mutter und seinem zwei Jahre jüngerem Bruder Hamilton in einem der Supermärkte. Seine Mutter sah den Hinweis auf den Wettbewerb und nahm je einen Stimmzettel für jedes ihrer neun Kinder mit nach Hause.

Mami, wie schreibt man „Flyers“?

Zu Hause setzte sich die Familie, die wenig mit Eishockey zu tun hatte, zusammen und überlegte sich Namen. Hamilton Stockard beschreibt auf NHL.com, dass gerade sein Bruder Alec Probleme hatte einen Namen zu finden. Erst als seine Schwester sagte, dass die Spieler über das Eis fliegen („they fly around the ice“) würden, kam ihm die Idee. „Ich denke, dann werde ich sie Flyers nennen. Mami, wie schreibt man „Flyers“?“. Auf dem Stimmzettel landete allerdings der Name „Fliers“, denn das ist grammatikalisch der richtige Ausdruck.
Bis zum Ende des zweiwöchigen Wettbewerbs wurden 11.216 Stimmzettel eingereicht. 96 Mal wurde der Name „Flyers“ oder „Fliers“ vorgeschlagen und 95 Teilnehmer erhielten Tickets für Spiele der Philadelphia Flyers. Aber Alec Stockard gewann den Hauptpreis. Er und seine Familie erhielten zwei Saisonkarten für die erste Saison der Flyers. Zudem erhielten sie einen 21 Zoll Farbfernseher im Wert von knapp 400 Dollar.
Alec sah das erste Heimspiel in der Geschichte der Philadelphia Flyers, danach entschied sich die Familie jedoch den Rest der Karten zu verkaufen. Im Alter von 20 Jahren verstarb Alec, sein Bruder Hamilton erzählt seither die Geschichte seines Bruders und wie sein Stimmzettel ein großen Anteil an der Geschichte der Philadelphia Flyers hatte.
Ein Geheimnis blieb übrigens bis heute, warum das Team „Flyers“ und nicht „Fliers“ benannt wurde.

Alec Stockard trifft Flyers President William R. Putnam

Alec Stockard trifft Flyers President William R. Putnam (Foto embed via NHL.com)

Tom Kanzock

Tom Kanzock ist Eishockey-Nerd durch und durch. Im März 2015 hat er schlittschuhtor.de ins Leben gerufen, um eine Alternative zur deutschen Eishockeyberichterstattung zu schaffen.